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Wie machen wir weiter, wenn alles um uns herum gerade zusammenzubrechen droht?

Diese Herausforderung betrifft uns nicht nur jetzt. „Die Gleichzeitigkeit der Dinge ist manchmal kaum auszuhalten“, schreibt die.drahtseiltänzerin auf Instagram. „Öffne ich das Internet, ist da draußen Krieg. Schließe ich das Internet, wird es da draußen Frühling.“ Gleichzeitigkeit betrifft uns immer. Gab es jemals eine Zeit, in der auf der ganzen Welt Frieden herrschte? … und während irgendwo zwei Menschen im Akt der Liebe miteinander verschmelzen, wird eine Tür weiter ein Kind misshandelt.

Ja, Gleichzeitigkeit ist unerträglich. Und glücklicherweise liegt es in unserer Natur, uns nicht permanent über diese Gleichzeitigkeit zu sorgen. Wäre das auszuhalten? Natürlich nicht. Obwohl an einem anderen Ort gerade Bomben fallen, darf ich also den Duft des Frühlings einatmen. Menschen müssen in Eile das verlassen, was ihnen am liebsten ist. Nicht auszuhalten. Aber meine Freude über den Frühling ist trotzdem da. Und so machen wir weiter. Aber vielleicht ist gerade auch jetzt die Zeit, kurz innezuhalten. Sich Zeit zu nehmen, um sich darüber bewusst zu werden, dass nichts, aber auch wirklich nichts in unserem Leben selbstverständlich ist. Schon gar nicht das Leben an sich.

Wir nehmen aber ziemlich vieles für selbstverständlich. Weil wir per Zufall und glücklicherweise in einem Land leben, in dem zumindest meine Generation Zeit ihres Lebens in Freiheit lebte. Aber all das, Freiheit genauso wie sauberes Wasser, ein gesund schlagendes Herz, eine Erde, die atmet, das ist nicht selbstverständlich. Wir haben nicht alles in der Hand. Das haben die vergangenen Jahre eindrücklich gezeigt. Wir müssen akzeptieren, dass es auch in unserem Leben ungeahnte, ungewollte Veränderungen geben kann und geben wird.

Also ist es Zeit, um innezuhalten. Auch dieser Moment an sich, in dem ich die Luft einatme, die ich gerade einatme, ist nicht selbstverständlich. Und in diesem Bewusstsein darf ich den Moment geniessen, darf lachen und auch mal fröhlich sein. Wenn wir uns eine Welt voller Frieden wünschen, ist das erste was wir tun können, selbst Frieden zu sein. Und in unserer Ohnmacht in Anbetracht der Geschehnisse ist das nächste was wir tun können, etwas zu sagen. Der Ohnmacht keinen Raum geben, sondern etwas sagen. In friedlicher Absicht. Und wenn sich für manche die Uhren gerade langsamer drehen, ist das in Ordnung. Und wenn mancher mit der Situation anders umgeht, als wir selbst, ist das in Ordnung. Und vieles, was uns vielleicht sonst so selbstverständlich und unheimlich wichtig erscheint, ist eigentlich gerade gar nicht so wichtig.

photo by thom masat on Unsplash